Kriegsgebiet Valencia - Zwischen Feuer, Explosionen und Menschenmassen

Madre mia, tio. Die Fallas... Was soll man dazu schreiben? Sie sind Nummer eins in unserem Reiseführer, der sehenswertesten Events in ganz Spanien. Ein alter Brauch, welcher in Valencia riesig zelebriert wird. Dabei baut jedes Viertel große, karikaturistische Statuen aus Pappmaché und Holz, welche am Ende der Festwoche unter großem Gejubel verbrannt werden.

 

Eine riesige Falla in der Innenstadt

Zusätzlich verwandelt sich die ganze Stadt in ein akustisches Kriegsgebiet, denn es werden von morgens bis abends Böller in allen Größen und Lautstärken gezündet. Jeden Tag gibt es richtige Feuerwerkskonzerte, die Mascletas, bei denen die Innenstadt mit einem ohrenbetäubenden Lärm aus Explosion und Knallgeräuschen erfüllt wird. Jeden Morgen dachten wir von neuem, dass um uns der Krieg ausgebrochen sei, aber als wir aus dem Fenster schauten, waren es jedes Mal, kleine Jungs, die stolz ihre Knaller anzündeten und wahllos wegwarfen.


Am Anfang fanden wir das natürlich genauso cool, aber mit der Zeit sank die Begeisterung für die Kracher . Wir haben ein ungefähr 8 Jahre altes Mädchen gesehen, die im Kinderwagen saß, ihrer Mutter alle paar Sekunden einen Böller hingehalten hat, welchen diese immer brav angezündet hat. Dann hat das kleine Mädchen das Stängchen Schwarzpulver achtlos und mit leerem Blick über die Schulter geworfen. "Muy bien!", entgegnete die Mutter daraufhin und zündete den nächsten Böller an.

In jedem Viertel gab es ein Festzelt vor dem allerlei große und kleine Talente für Unterhaltung sorgten...

Von Tag zu Tag erkundeten wir die Innenstadt aufs Neue, in der sich stets riesige Menschenmengen tummelten. Immer besser kannten wir uns in den Straßen Valencias aus und wir entdeckten immer neue, wachsende Fallas in den verschiedenen Vierteln. Oft trafen wir uns mit Jose, um gemeinsam mit ihm auf Fotojagd zu gehen. Kein Wunder, war das DIE Nummer eins im Reiseführer. Neben den absolut fantastischen Fallas, gab es an jeder Ecke etwas zu sehen. Überall verkauften Afrikaner ihren Ramsch, und der Duft von Churros und anderen Leckereien erfüllte die Luft.

 

Ein weiteres Highlight waren die typischen Trachten der Frauen, die in einem schier endloschen Marsch von zwei Tagen, Blumen zur "Jungfrau" brachten, welche zu ihrem Gewand zusammengesteckt wurden. Tausende Menschen strömten aus allen Himmelsrichtungen und das Vorankommen wurde sehr schwierig.

Durch die ganze Stadt zog sich die Parade von festlich gekleideten Leuten.

Die letzten drei Abende gab es zusätzlich zum alltäglichen Geböller noch ein richtiges Feuerwerk, welches Nachts in unzähligen Farben und Formen über der Stadt leuchtete.

 

Leider wurden alle Fallas am letzten Tag zur gleichen Uhrzeit verbrannt und so suchten wir uns die größten und schönsten heraus und sicherten uns früh einen guten Platz.

 

Mit einer letzten, lauten Böllerkette wurde das bunte Monument entzündet. Flammen loderten auf und schlängelten sich am bunten Papier empor . Hitze stach uns ins Gesicht und plötzlich fing die ganze Menge an, zurückzuweichen und wir wurden unweigerlich zurückgedrängt.

Die letzte und größte Statue. Ihr Feuer brannte 30 Meter hoch.

Nach nur wenigen Momenten brannte die 8 Stockwerke hohe Statue lichterloh und die ersten Teile fingen an, herunterzufallen. Die Luft wurde von feinen Sprühregen, Asche und Rauch durchzogen. Es war spektakulär.

 

Funken stiegen auf in den Himmel und die Nacht wurde zum Tag gemacht. Wir, inmitten zigtausender Menschen genossen die Atmosphäre mit dem Gedanken, dass es für uns bald weiter in Richtung Süden gehen würde.  (L)

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Kommentare: 1
  • #1

    sast (Samstag, 09 April 2016 21:10)

    Natürlich gibt’s auch hierfür ein Kommentar :
    Wunderschöne Bilder, farbenfrohe Statuen, genial ins Bild gesetzt, sodass man fast erahnen kann, wie die Atmosphäre vor Ort war. Wenn man bedenkt, welche Arbeit dahintersteckt, von Handwerkern und Künstlern, grandios. Welchen Ehrgeiz und Stolz die Landsleute für dieses spektakuläre Fest aufbringen. Die Spanier verstehen es, Feste zu feiern. Und ihr versteht es, dass auch wir daran teilhaben können. Super Jungs.