Die Stille zwischen Zehntausend Menschen

In der Semana Santa herrscht eine düstere Stimmung. . .

Semana Santa ist wohl das größte religiöse Event in Spanien. Millionen Menschen kommen nach Sevilla um eine Woche lang Prozessionen mitzuerleben und den Tod und die Auferstehung Jesu an Ostern zu preisen.


Wir wollten uns dieses Event natürlich nicht entgehen lassen, nachdem Jose davon geschwärmt hatte.

Jeder Nazareno hatte eine lange Kerze.

Die Prozessionen waren nicht schwer zu finden. Ein geeigneten Platz zum Filmen hingegen schon. Oft standen wir in den letzten Reihen, während 20 Meter vor uns die Menschen mit ihren hohen Kapuzen entlangschlichen.


Immer wenn eine Prozession an den Menschen vorbeizog, wurde es mucksmäuschenstill und keiner traute sich etwas zu sagen. Der Auslöser der Kamera klang dann umso lauter und während die Menschen um uns herum alles in ihrer Stille genossen, kamen wir uns komisch vor , das ganze Geschehen möglichst professionell zu filmen. Leider war es ziemlich dunkel und gute Aufnahmen waren schwer zu erhaschen.

 

Nach ein paar Stunden fingen unsere Füße an zu schmerzen und wir brauchten eine Pause. In Spanien gibt es ein Phänomen, welches in Deutschland ziemlich unüblich ist. Ist man bei Events unterwegs und wird durstig, steht an irgend einer Ecke immer ein Peruaner und verkauft gekühltes Bier aus seinem Rucksack . Man erkennt ihn am, in die Luft gestreckten Arm, der von einer Bierdose gekrönt ist, aus der er in regelmäßigen Abständen selbst trinkt.


Man weiß auch immer, ob es gleich zu regnen beginnt, denn bevor der feuchte Nass von oben kommt, sieht man überall Schwarze, die Passanten Regenschirme andrehen. Bei den stundenlangen Prozessionen, bei denen man mehr wartet, als zuschaut, sitzen alle auf kleinen dreibeinigen Schemeln, die von Asiaten verkauft werden. "Wollen Sie Stuhl kaufen?" werden wir in asiatischem Spanisch oft gefragt.

Die Statuen waren sehr aufwendig mit Gold verziert.

Wir beschlossen uns das Geld zu sparen und setzen uns einfach, wie viele Andere auf den Boden.
Nachdem wir den Prozessionsplan endlich einmal verstanden hatten, bereiteten wir uns auf die letzte Prozession diesen Morgens besonders gut vor. Wir stellten uns einfach vor das Kirchentor, aus dem sie kommen würde. In der Hoffnung, dass wir mit offiziellen Pressefotografen verwechselt wurden, reckten wir extra unsere Kameras vor uns umher damit sie ja auch jeder sehen konnte.


Bis auf einen Rollstuhlfahrer, der sich den Platz noch länger reserviert hatte, als wir, beschwerte sich niemand über das unfaire Vordrängeln.

Als diese Prozession dann die Kirche verlies, wurde es plötzlich ganz still und nach einigen Momenten begann in der Stille eine einzelne Frau an zu singen.
Gänsehaut pur!!!

Die schwarzen Nazarenos in einer engen Gasse

Die Prozessionen sahen für uns immer gleich aus. Vorne eine riesige laufende Kiste mit einer Szene aus der Kreuzigung Jesu drauf, die von bis zu 60 Leuten getragen wurde, von denen man nur die Füße unter der Kiste sah.
Dann kamen die grusligen Menschen mit ihren Spitzen Hüten, die sogenannten Nazarenos und zum Schluss die Jungfrau auf einer weiteren laufenden Kiste mit hunderten Kerzen. Dahinter kam manchmal noch ein Orchester, das uns stets eine riesige Gänsehaut auf die Arme spielte. So eine Prozession ging bis zu 12 Stunden, wobei sie sich immer weit durch die engen Gassen Sevillas schlängelte und alle 20 Meter Pause machte, damit die Kistenträger sich erholen konnten.

Nach 12 Stunden Umherirren in Sevilla kamen wir morgens um zehn Uhr am Camper an. (L)

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Kommentare: 2
  • #1

    Nur ich (Mittwoch, 06 April 2016 20:36)

    Tolle beindruckende Bilder....
    Weiterhin Gute fahrt

  • #2

    Lottermann (Donnerstag, 07 April 2016 05:45)

    Fast jeden Morgen tolle, sensationell tolle Bilder und Reiseberichte zum Kaffee, dass ist besser als frische Croissants! Danke!!