Zwischen fünfzehn Kilometern liegen Welten

Am Donnerstag "früh" machten wir uns endlich auf zum Fährhafen. Schon beim Ticketverkauf wurden wir gewarnt, dass sich am Hafen Trickbetrüger tummeln, die sich als offizielle Fährmitarbeiter ausgeben und einem das Geld aus der Tasche ziehen.
Kaum im Hafengebiet angekommen, versuchen uns die Besagten auf Parkplätze heraus zu lotsen oder uns am Straßenrand anzuhalten.
Das ganze geht so weit, dass noch wenige Meter vor der offiziellen Schranke ein Mann versucht uns anzuhalten.

 

Wieso dagegen nichts unternommen wird, ist uns nicht klar.

Auf der Fähre, während wir gerade fleißig am filmen und fotografieren sind, werden wir plötzlich von einem Passagier in unserem Alter in gebrochenen Deutsch angesprochen.
Sein Name ist Rali, ein gebürtiger Marokkaner, der längere Zeit in Deutschland gewohnt hat, ist auf dem Weg seine Familie zu besuchen.
Spontan entscheiden wir, ihn über die Grenze mitzunehmen.

 

Auf dem neuen Kontinent angekommen, schnuppern wir, nachdem wir die Abfahrt von der Fähre fast verpasst habe, das erste Mal die Luft einer neuen und völlig fremden Kultur.
Am Zoll geht es wild zur Sache. Zwei deutsch sprechende Marokkaner helfen uns durch die Prozedur der Einreise und bis sie Geld von uns verlangen, ist uns nicht klar, dass sie keine offiziellen Mitarbeiter des Zolls sind.
Obwohl Rali uns auch vor "Helfern", Trickbetrügern und Bettlern gewarnt hat, war ihm das anscheinend auch nicht bewusst.

 

Auch der Straßenverkehr in Marokko sei laut Rali tückisch. Doch abgesehen von der ersten Großstadt, die etwas hektisch war, haben wir uns recht schnell an die marokkanischen Autofahrer gewöhnt.
Die Straßen hier sind aber eine andere Sache. Auf dem Weg Richtung Rif Gebirge endet plötzlich die ordentlich ausgebaute Straße und ist nur noch eine mehr einspurige mit Schlaglöchern übersäte Fahrbahn. Oft fehlt der Teer ganz und es bleibt nur noch eine kleine Schotterpiste.
Bei Gegenverkehr heißt es ausweichen in den Straßengraben.
So geht es meistens mit gemächlichen dreißig Sachen voran und die Gänge vier und fünf werden nur höchst selten eingelegt.

 

Rali wollte nach der Grenze schnell abgesetzt werden. Ob er uns nur nicht sein Elternhaus zeigen wollte, oder unsere Überfahrt zum Schmuggel genutzt hat, wissen wir nicht. Seine Finger hat er jedenfalls bei sich behalten.

 

Während an der Grenze noch versucht wurde, mit Grenzpapieren und co. Profit aus dem Tourismus zu schlagen, wird im Rif Gebirge mit ganz anderer Ware gehandelt. 
Dass das Rif Gebirge Marihuana-Anbaugebiet Nummer 1 in Marokko ist, ist allein am Cannabis Geruch, der süßlich in der Luft hängt, zu erkennen.

Ohne das Auto verlassen zu müssen, werden wir von überholenden Autos zum Handel herausgewinkt, ein Motorradfahrer ruft durch unser offenes Fenster ob wir Interesse haben.
Und damit ist nicht Schluss. An unserm Schlafplatz verwickelt uns ein junger Mann namens Abdou ins Gespräch und lässt sich nicht abschütteln. Wir sind gezwungen zu fliehen...

Auf dem Weg durchs Rif passierten wir noch das malerische Städtchen Chefchaouen, dessen Häuser in Himmelblau und weiß wie Wolken am Himmel aussehen. Auf den ersten Metern sehen Wir ein paar Kätzchen, die sich auf einen am Boden ausgebreiteten Schafsfell räkeln.

Ein Augenschmaus für Film und Foto.

Außerdem sind die Kätzchen im Gegensatz zu den Marokkanern weniger Kamerascheu. (M)

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Kommentare: 1
  • #1

    Macska (Sonntag, 24 April 2016 18:09)

    Ich glaube, die Reise nach Marokko ist abenteuerlich genug und fordert euer fahrerisches können und Schlauheit im Umgang mit Betrügern und marihuanahändlern.
    Süße Kätzchen übrigens!