Drohungen und Irrwege in Fes

Der nächste längere Zwischenstopp hieß Fes.
In der riesigen Stadt am Rande des Rifs, trafen wir zum ersten Mal auf das richtige Stadtleben in Marokko.


Da wir erst abends ankamen, erkundeten wir einfach die Umgebung um unseren Parkplatz.

Als es bereits dunkel war, landeten wir in einem ominösen Ghetto-Lebensmittel-Markt. Dicht an dicht drängten die Stände und wir waren die einzigen Nichtmarokkaner . Heimlich versuchten wir zu filmen und zu fotografieren, da Muslime das nicht gerne sehen, aber die Sache stellte sich als ziemlich schwierig heraus.


Nachdem wir den Markt durchquert hatten, wurden wir von einer Gruppe Jugendlicher angesprochen und gewarnt, dass es in dieser Region sehr gefährlich werden könne für uns.


Deshalb entschlossen wir uns, zurück zum Camper zu gehen und die Erkundungstour auf den nächsten Tag zu verschieben.

Gesagt, getan. Wir übernachteten außerhalb der Stadt und besuchten am folgenden Tag die Medina von Fes.


Wir wurden verschlungen von einem ewigen Wirrwarr aus kleinen Gassen, die von einer Million bunter Schuhe, glitzernder Anhänger, orientalischen Instrumenten, abstrakten Kunstwerken, verlockenden Süßigkeiten und nochmal so viele Dinge, die wir alle gar nicht benennen konnten, geschmückt waren.


Überall wimmelte es von Leuten und Kindern. Auf arabisch rief man sich quer über die Straße Sätze zu, Kinder wuselten umher, einige Bettler fragten nach Geld und dann gab es da noch eine weitere Gruppe von Leuten.

Alle zwei Meter wurden wir erst freundlich begrüßt, um dann in den Laden gewunken zu werden, uns wurden Restaurants um drei Ecken empfohlen und die Menschen wurden immer aufdringlicher, je tiefer wir kamen.

 

Inzwischen genervt von all den Leuten, die sich an uns bereichern wollten, bogen wir kurzerhand in eine kleine Seitengasse ab. Zum richtig filmen und fotografieren sind wir wieder nicht gekommen. Die Ladenbesitzer wollten natürlich sofort Geld sehen, wenn man ihren Stand fotografierte.


Auf Dauer würde uns das zu teuer werden, bei der Menge an Bildern, die wir gerne geschossen hätten.

 

Dann hörten wir eine Stimme hinter uns. "Hello, not this way", sagte ein hagerer Junge in unserem Alter.


Wir ignorierten ihn erst und gingen immer tiefer in die Medina. Schon lange wussten wir nicht mehr, wo es hinaus gehen würde und wir hatten keine andere Wahl, als vorwärts zu gehen.


Der Junge erzählte uns, dass bereits vier Deutsche in den Medinas abgestochen wurden und hoffte wohl, uns einzuschüchtern. Wir waren in die Wohnviertel der Medina gelangt, wo sich eigentlich keine Touristen rumtreiben (sollten).

 

Irgendwann liefen wir mit unserem neuen "Guide" nur noch im Kreis und als wir dann aufgefordert wurden, ihm Geld zu geben, damit er uns wieder rausführt, bekamen wir es dann doch etwas mit der Angst zu tun.
Inzwischen hatte sich ein Freund zu ihm gesellt und es stand zwei gegen zwei.

 

"Give me money, then Au Revoir" hat er immer gesagt. Nachdem wir noch eine Weile umhergeirrt sind und mit ihm verhandelt haben und gesagt, dass er uns überhaupt nichts gezeigt hätte, dieser selbst ernannte Guide, gaben wir auf und reichten ihm ein paar Münzen.

 

"No coins, I want paper money" kam darauf hin in seinem marokkanischen Englisch.
Das war uns dann echt zu dreißt. Wir liefen weiter, bis wir eine kleine Gruppe Marokkaner trafen, in der Hoffnung, diese würden dem Schabernack ein Ende bereiten.

 

Unterwegs drohte er uns immer noch "I beat you! Don't fuck with me, I'll fuck you!!!"
Die Fremden fielen uns dann noch zu allem Entsetzen in den Rücken und sagten, wir sollen diesem "armen Jungen" doch etwas Geld geben.

Glücklicherweise kamen in genau diesem Moment zwei eindeutige Touris mit ihrem richtigen Guide vorbei, an die wir uns einfach drangehängt haben.


I-beat-you und sein Kollege verschwanden darauf hin endlich. Nach kurzer Zeit drehte sich einer der Touristen um, fragte, wieso wir sie verfolgen würden. Lorenzo erklärte die Situation und als sich herausgestellt hatte, dass das Pärchen auch aus Deutschland ist und uns anbot, aus der Medina zu führen, waren wir sehr erleichtert. (L)

 

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Kommentare: 3
  • #1

    moni (Donnerstag, 28 April 2016 23:21)

    Da habt ihr Ja nochmal Glück gehabt. IHR müsst echt vorsichtig sein. Aber das gute ist ja, dass ihr mit der zeit an Erfahrungen reift und auch das gewisse unterscheidungsvermögen bekommt, wann es brenzlig für euch wird. Passt einfach weiterhin auf euch auf.
    Danke für die Bilder, die ihr trotzdem machen konntet. Danke, dass ihr sie nun Mit uns teilt :-)

  • #2

    moni (Donnerstag, 28 April 2016 23:22)

    Oooohhhhh könnt ihr mir bitte so 'ne Trommel für meine Kleine mitbringen :-)

  • #3

    Christoph (Mittwoch, 09 Mai 2018 02:50)

    Wir nächtigen seit 4 Tagen in der Médina in einem Riad und die Straßenjungs wirken wirklich sehr gefährlich. Heute geht es um 2:30 Uhr mit unserem Fahrer zurück zum Flughafen. Allerdings habe ich hier wirklich oft Angstzustände und Panikattacken. Vor unserem Riad trainierten Jugendliche Boxen und auf dem Boden eintreten. Ich bekomme hier echt Paranoia und will hier nur noch heil herauskommen, gerade weil ich und mein Kumpel oft von Dealern abgesprochen wurden die uns jeden Tag wieder über den Weg gelaufen sind. Tagsüber ist Fes schön aber abends bekomme ich es hier mit der Angst zu tun. Bedroht wurden wir hier nicht zum ersten Mal. An einem Tag führte uns ein selbsternannter Guide zur Gerberei in Fes und ließ uns 2 Stunden nicht aus den Augen. Das Gefühl war beklemmend. Wir waren sogar zu Besuch bei ihm zuhause. Sein Vater hatte einen komischen Gesichtsausdruck, wie eine Grimasse, das beobachtete ich bei diversen Händlern tiefer in der Médina aber auch in den Armen Gassen und auch bei älteren Männern. Ein Herr wirkte ganz vernünftig und sprach auch Englisch mit mir und bot uns 2 Zigaretten an. Aber oft sprechen die Gesichter von nicht vertrauend wirkenden Menschen hier für sich, man erkennt es oftmals einfach, wer gut und wer schlecht ist. Diese Grimassen gehen mir in Fes nicht aus dem Kopf.