Einmal quer durchs Land

Kilometerweit nur gerade aus...

Nachdem wir nun mehrere Tage in Marrakesch verbracht hatten, ging es für uns weiter in Richtung Sahara.


Glücklicherweise haben wir durch die Kooperation mit der deutschen Reiseagentur neben dem Kochkurs eine hoffentlich atemberaubende Kameltour durch die Wüste gesponsort bekommen.

 

Doch zuerst galt es dort hinzugelangen. Unser Ziel hieß Merzouga, ein kleines Städtchen direkt am Rande der Sahara.


Also machten wir uns auf den Weg. In Marokko ist es so, dass man keine 20 km weit fahren muss um in völlig andere Welten zu gelangen. Knapp 350 km sollte die ganze Strecke lang werden.


Nachdem wir das Flachland Marrakeschs hinter uns gelassen hatten und die Straßen endlich wieder Kurven machten, folgte das Atlas-Gebirge. Es ist für seine Edelsteine und Fossilien bekannt, die uns folglich hinter jeder Biegung von Straßenverkäufern entgegengehalten wurden.

 

Nach und nach schlängelten wir uns die Bergketten entlang, wobei es nicht wenige Male sehr eng auf den Straßen wurde und wir teilweise nur noch auf Schotter fuhren. Wir kamen an einem Unfall kurz vorm höchsten Punkt vorbei und reihten uns fröhlich in die LKW-Schlange ein. Es war schon dunkel und so beschlossen wir nicht viel später, einen Platz zum schlafen zu suchen.

 

Am morgen wurden wir dann wieder von einem Edelsteinverkäufer geweckt, der uns perfekt geformte, hohle Steine mit roten und lila, oder gelb-grünen Kristallformationen verkaufen wollte. An sich sahen diese Schmuckstücke schon schön aus, nur wussten wir, dass es Fälschungen waren.


Als es dann wieder Tal abwärts ging, leuchtete zu unserem Schrecken unsere Bremskontrollleuchte. Wenn diese leuchtet, bedeutet das, dass etwas mit der Bremse nicht stimmt. Nach ein paar Kilometern erlosch sie allerdings wieder.

Wir passierten die Filmstadt Ouarzazate, in der unter anderem Indiana Jones gedreht wurde und übernachteten eine zweite Nacht an einem recht großen See.

 

Stecken geblieben sind wir übrigens auch. Nachdem wir die richtige Abzweigung verfehlt hatten, standen wir auf puderweichem, roten Sand und hatten die Reifen schon eingegraben. Nach ein paar gekonnten Fahrmanövern, gelang es uns zum Glück das Auto doch freizufahren. Welch ein Abenteuer!

 

Je weiter wir in den Osten kamen, desto heißer wurde es. Nachdem wir das Atlasgebirge hinter uns gelassen hatten, kamen wieder die geraden Straßen. Man könnte behaupten vom Atlas bis zur Wüste gibt es nur zwei Hand voll Kurven auf 130 Kilometern.


Stundenlang fuhren wir geradeaus, dann durch kleine Örtchen, dann wieder geradeaus. Zu sehen gab es ganz viel nichts und davon reichlich. Bevor die Wüste anfing, kam die Steppe. Leer, knochentrocken, flach, langweilig.

 

Zugegeben, solches Luftflimmern haben wir zuvor noch nirgends gesehen, aber die kilometerweiten Kieselsteinwüsten waren jetzt nicht unbedingt das Gelbe vom Ei.


Links und rechts am Straßenrand gab es kleine Wegmarkierungen, die die Kilometeranzahl bis zu unserem Ziel anzeigten. Die Hauptstraße, welche auch die einzige Straße dort war, führte einmal quer durchs ganze Land bis nach Merzouga

 

Dort angekommen endete die Straße urplötzlich und das riesige Sandmeer Sahara füllte unser Blickfeld. Natürlich stapften wir erst einmal einige hundert Meter in den Sand, bis um uns herum keine Zivilisation mehr zu sehen war. Wir erblickten auch eine der vielen Karawanen, doch wo waren die Kamele?


Ein wohl weit verbreitetes Vorurteil über die beliebten und bekannten Wüstenschiffe der Sahara müssen wir an dieser Stelle entkräftigen. Wir haben kein einziges Kamel gesehen in der Wüste. Die Karawanentiere waren alle samt Dromedare, hatten also nur ein, anstatt der zwei Höcker.


Aber das bremste die Begeisterung natürlich nicht.

Wir checkten auf einem billigen Campingplatz ein, da wir noch ein paar Tage zu früh waren und genossen erst einmal die schöne Saharaatmosphäre.

 

Der nächste Morgen war ernüchternd. Als wir aus dem Fenster blickten, sahen wir lange Rinnsale aus Wasser, die die scheiben hinunterliefen. Es regnete. IN DER SAHARA.


Nur um das nochmal zusammenzufassen: Wir sind jetzt über 3000 km gefahren um eine klatschnasse Wüste zu erleben? Ist das dein Ernst, Natur?

 

Außerdem windete es unabdingbar, was bei Flachland nicht verwunderlich ist. So verbrachten wir fast zwei Tage im Camper und uns wurde sogar langweilig...


Wir plauderten mit unseren deutschen Nachbarn, ein seniler alter Herr mit Edelsteinfetisch und seine Frau, und warteten ab, bis denn irgend was spannendes passierte.
Nichts geschah, also beschlossen wir zu einem nahegelegenen See zu fahren. Er lag direkt am Wüstenrand und welch Verwunderung, er war ausgetrocknet.

 

Trotzdem bot er ein sehr andersartigen Anblick und wir kurvten munter auf weiten Fläche umher .

 

Am dritten Tag war es dann doch nochmal gutes Wetter und zum Sonnenuntergang kletterten wir auf die höchste Düne, die wir fanden. Zusammen mit anderen Touris hielten wir dem enormen Wind dort oben stand und blickten gen Horizont auf die untergehende Sonne.

 

Ein wirklich einmaliger Anblick... Solange man nicht jeden Abend auf diese Düne klettert und den Tageszeitenwechsel beobachtet.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf zu unserem Hotel, welches wir für eine Nacht gratis bekommen würden.


Nach ca. 40 km Fahrt kamen wir mitten in einem heftigen Sandsturm dort an. An der Rezeption fragte der junge Herr nach unserem Voucher, welchen wir ihm auf dem Handy auch vorlegten.

 

Genervt fing er dann an zu sagen, dass das so nicht ginge, wir müssen ihn ausdrucken, damit er das schwarz auf weiß zum anfassen auf Papier hätte. Wir wollten ihm klarmachen, dass wir leider keinen Tintenstrahldrucker oder ähnliches im Camper verbaut hatten und wir schlicht nicht die Möglichkeit hatten, diesen Wisch auszudrucken.

 

Er zeigte sich uneinsichtlich und rief kurzerhand den Chef an. Lorenzo telefonierte erst mit dem Chef, dann wurde er an den Reiseveranstalter in Marokko weitergeleitet, telefonierte mit diesem und kam zu dem Schluss, dass das auch ohne Voucher ginge.
Das wurde dem Mann an der Rezeption klar gemacht und er ließ uns widerwillig einchecken.
Nun standen wir in einem sehr schönen Zimmer, hatten einen Außenpool, Bad, ein Kingsize Bett, aber die zwei wichtigsten Dinge fehlten: Essen und Internet.

 

Letzteres gab es nur in der Rezeption und dort auch nicht immer . Mal funktionierte es, mal nicht. Ärgerlich.

 

Zu Abend aßen wir im hausinternen Restaurant. Natürlich gab es Tarjine, das typische Touri-essen in Marokko, plus Vor- und Nachspeise.


Das Essen an sich, war nicht unbedingt schlecht. Aber das Preis-Leistungsverhältnis stimmte einfach nicht. Halb so viel Geld, wie das Zimmer gekostet hätte, ließen wir im Restaurant zurück.


Und das Restaurant ließ uns mit halb leerem Magen zurück. Sehr schade.

Immerhin konnten wir uns auf die Dromedartour am nächsten Tag freuen... (L)

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Kommentare: 1
  • #1

    sast (Donnerstag, 26 Mai 2016 21:34)

    Also erst einmal großes Lob an euch, wie ihr dafür sorgt, die Events gesponsert zu bekommen. Da sind die anfänglichen Bedenken, eine nicht organisierte Reise zu machen, unbegründet gewesen.
    Und das Resultat ist wirklich abwechslungsreich, genau wie die Landschaften: grüne Gebirge, dürrer Boden, blaues Meer, farbenprächtige Sonnenuntergänge.