Kilometer um Kilometer...

Neues Land in Sicht???

Nun waren wir also wieder auf dem Heimweg. Mit zügigem Tempo fuhren wir an der Küste Marokkos entlang und wurden prompt geblitzt. Nachdem wir die 300 Dirham direkt an den Polizisten entrichtet hatten ging es erst einmal mit gemäßigterem Tempo weiter .


Immer mehr war die Landschaft von Landwirtschaft geprägt und so gab es immer weniger für uns zu sehen. Auch die Straßen wurden immer leerer und waren recht gut ausgebaut.

Eines Abends parkten wir hinter einem Zucchinifeld direkt am Meer . Nachdem wir lecker gekocht hatten, erkundeten wir den Strand und fingen die im Meer versinkende Sonne mit unseren Kameras ein.


Lorenzo hatte eine Kuhkadaver gefunden, von dem nur noch die Knochen geblieben waren und so gab der weiße Kuhschädel ein herrlich bizarres Fotomotiv in der Gischt und dem Salzwasser ab.

Einmal wäre uns fast der Sprit ausgegangen und wir fuhren schon einige Kilometer im Roten Bereich, als wir endlich an die lang ersehnte Tankstelle kamen, die wir bitter nötig hatten.


Sonst gab es für ein paar Tage nicht viel spannendes zu erzählen. Zwischen den traditionellen Feldern standen manchmal riesige Industriekomplexe mit rauchenden Schornsteinen und Förderbändern und Hallen und anderen modernen Dingen, die wie fremde Welten am Ufer des Atlantik anzutreffen waren.


Stahlwerke oder Phosphatproduktionen hatte man dort mitten im Nirgendwo errichtet.

Wir kamen auch an ein paar Fischern vorbei, die wir ausgiebig fotografierten und filmten, was sie zum Glück nicht zu stören schien. Übernachteten hier und da auf Campingplätzen, verbrachten die meißte Zeit jedoch im Auto auf der Straße.

 

Irgendwann kamen wir schließlich nach Casablanca . So viele Hochhäuser hatten wir noch an keinem Ort in Marokko gesehen. Dicht an dicht ragten diese hoch über den engen Straßen auf und der Verkehr war die Hölle.


Zu Sehen gab es dort nur die zweitgrößte Moschee der Welt, die uns aber auch nicht von den Socken haute. Ehrlich gesagt waren wir froh, als wir diese chaotische Stadt nach einem Tag wieder verlassen durften.

Die nächste größere Stadt, durch die wir kamen, war die Hauptstadt Marokkos: Rabat. Anders als Casablanca war sie sehr weitläufig, sauber und modern. Überall wurde gebaut und riesige Verkehrsknoten ließen die Herden aus Autos, Bussen und Motorrädern fließen.


Hier fanden wir einen Parkplatz in der Nähe des Strandes, auf dem eine riesige Festivalbühne aufgebaut war. Das versprach also eine laute Nacht zu werden. Ob so gute Stimmung wie bei den ElectroFallas in Spanien sein würde? Wir bezweifelten es!

 

Um den Tag noch bestmöglichst zu nutzen, besuchten wir die halbfertige Moschee von irgend einem Hassan der Zweite, ein vergangener König Marokkos. Diese gab ein cooles Fotomotiv mit ihren unzähligen Säulen ab, die über den Platz verteilt standen, dort wo die eigentliche Moschee hätte stehen sollen.


Wir warteten die goldene Stunde ab, also die Stunde vor Sonnenuntergang, bei der es das beste Licht zum fotografieren herrschte  und machten uns ans Werk. Drumherum kehrte noch lang keine Ruhe ein, und so schauten wir noch den gewundenen Straßenverläufen zu, durch die sich die roten und weißen Lichter der Autos unter Gehupe entlangschlängelten.

 

Als es Nacht wurde, setzte auch die Musik des Festivals ein. Wir waren schon sehr müde vom anstrengenden Tag, beschlossen aber trotzdem, dem Strand nochmal einen Besuch abzustatten. Bereits auf dem Weg dorthin bemerkten wir die Vier-Generationen-Familien, die in die gleiche Richtung marschierten. Zu unserer Überraschung gerieten wir auf eine riesige Masse aus Leuten, in der Säuglinge ebenso wie alte Greise vertreten waren.


Dabei wurde wild und rücksichtslos getanzt, Kinder wurden durch die Luft geschleudert und gegrölt bis die Marokkaner heiser waren. Gespielt wurde dabei typisch traditionelle marokkanische Volksmusik mit allerlei uns fremden Instrumenten. Wir konnten nicht richtig begreifen, wie Oma und Enkelkinder zusammen "abfeiern" konnten und standen nur steif mitten in der Menschenmenge. Mit den westlichen Partys hatte das hier nichts zu tun.

 

Es herrschte eine so gute Stimmung, die wir selten bei solchen Events gesehen hatten. Wir hingegen wollten rasch schlafen gehen, da diese Art von Festival nicht unserem Geschmack entsprach. Nicht arg viel später verstummten auch die riesigen Lautsprecher und der marokkanische Menschenmob löste sich auf und ging nach Hause. (L)

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