Da kommt was Großes!

"Die planen was Ernstes!", haben wir uns vor einigen Wochen gesagt. Ansgar Wörner und Nico Gerspacher steckten mitten in den Vorbereitungen für einen Kurzfilm, der den Titel "Unschuld" trägt, als wir ihren Facebook-Post sahen, mit dem sie noch nach helfenden Händen suchten. Die beiden lernten wir bei den Dreharbeiten zu unserem Kurzfilm 41'CR kennen und schätzen. Ansgar wohnt in Dietersweiler bei Freudenstadt im Schwarzwald und hat das ganze Projekt ins Leben gerufen. Dazu hat er zusammen mit Nico das Drehbuch geschrieben und zusammen mit dem "Film Theater Forum"- Verein aus Freudenstadt die Produktion übernommen. Das heißt, er hat sich um die komplette Logistik und einen reibungslosen Ablauf gekümmert. Crew, Equipment, Darsteller, Verpflegung, Drehort, Requisiten... All das organisierte er für das Drehwochenende vom 10. und 11. Juni. Wir zollen ihm Respekt, dass er das so gut hinbekommen hat. Wie ein Uhrwerk sollten alle Zähne ineinander greifen und der Dreh ohne Zwischenfälle über die Bühne gehen. Doch später mehr dazu. Wir von Carmona waren einmal für den Ton am Set, im Fachjargon das "Angeln des Tons", und für das Drehen eines Making ofs, sowie das Anfertigen der Schnappschüsse, die man in den allgemeinen Weiten des Internets findet, verantwortlich. 

 

Am Samstag morgen fuhren wir zusammen mit Yannik Winzer von DesignAreal Lörrach fast pünktlich um 5:34 von Schopfheim los in Richtung Villingen-Schwenningen. Nachdem wir auf dem Feldberg aus dem Auto heraus einen atemberaubenden Sonnenaufgang bewundern konnten, klingelten wir wenig später Nico aus dem Bett. Der Regisseur des Films packte darauf hin rasch seine Sachen zusammen und schon ging es weiter zum Set. Das lag wortwörtlich vor Ansgars Haustüre im ruhigen Dietersweiler, dort wurden wir auch schon von weiteren Teilen der Crew erwartet. Ein Großteil der Leute vor Ort trugen freshe, schwarze Poloshirts mit der Aufschrift "Film Theater Forum". Das Erkennungszeichen eines Freudenstadter Vereins, der erst vergangenes Jahr einen spannenden Spielfilm gedreht hatte. Dieser war auch einer der Hauptsponsoren und eine weitere Produktionskraft des Filmdrehs, denn er stellte neben vielen Crewmitgliedern auch jede Menge Technik zur Verfügung. Wie das eben so ist an einem Filmset, waren alle in schwarz gekleidet. Bis auf eine Ausnahme: Nico Gerspacher. Er lief in einer gemütlichen, grünen, kurzen Jogginghose und rotem T-Shirt umher und hob sich so deutlich vom Rest ab.

Jetzt aber mal was zum Film! "Unschuld" ist ein Psychothriller, der dem Zuschauer selbst überlässt, ob er Gesehenes als real oder nicht interpretiert. Der psychopathische Jake erlebt Visionen, in denen er gefoltert wird. Oder foltert er doch selbst? Atmosphäre und Stimmung transportiert der Film vor allem durch Mimik, Schauspiel und Kostüme. Untypischer Weise kommt der Film völlig ohne Dialog und Sprache zurecht und transportiert die Geschichte durch andere Stilmittel. Die Autoren haben sich auch dazu entschieden dem Zuschauer in mehreren Enden, die sie selbst wählen können, die Geschichte selbst zusammenführen und deuten zu lassen. 

Die Uhr zeigt 09:30 Uhr, als die erste Einstellung gedreht wird, in der Marcello Maneth alias Jake im Auto sitzt und die Pistole aus seinem Handschuhfach holt. Am Fenster einige Meter weiter steht Hannah Heß, die Jakes Freundin Laura spielt. Zuvor hatten wir bereits knapp eine Stunde aufgebaut, die Technik eingerichtet, Ton eingepegelt und Schauspieler wurden von der bezaubernden Christine Beckenbach geschminkt. Das gute Wetter war denkbar schlecht für das Projekt. Wolken und Regen hatten wir uns erhofft, aber nur Sonnenschein und Hitze bekommen. Im Auto mitten in der Sonne zu drehen war dabei nicht direkt ein Spaß. Marcello mit seinem dicken Parka auf dem Fahrersitz, Kameramann Pirmin Arnold und Patrick Dengler saßen eng gedrängt auf der Rückbank und der Ton nahm im nicht gerade geräumigen Kofferraum Platz. Thomas Fischer, der sogenannte Director of Photography, war für den richtigen Bildausschnitt zuständig und draußen saß er wortwörtlich mit Nico unter einer Decke, um das Kamerabild auf dem Kontrollmonitor anzuschauen und die passenden Anweisungen  zu geben.

 

"Szene 7.0 B1 Take 1!" hieß es, als Yannik Winzer die für unseren Geschmack etwas zu komplexe Filmklappe klappen ließ. Nachdem die ersten Einstellungen im Kasten waren und man endlich mal einen Moment zum Verschnaufen hatte, wurde einem erst bewusst, wie aufwändig und riesig dieser Dreh geworden ist und noch werden wird. Insgesamt über 12 Leute waren am Set, um den Hauptdarsteller im stehenden Auto zu filmen, wie er auf einen Brief auf dem Beifahrersitz blickt. Aber das ist genau der Grund, wieso Filmemachen neben dem Stress so Spaß macht: Es schweißt Leute zusammen und man arbeitet im Team zusammen auf ein gemeinsames Ziel hin. Ob es sich überhaupt gelohnt hat, erfahren wir erst im August, wenn der Film fertig geschnitten und bearbeitet ist.

Wir drehten fröhlich vor uns hin, schlossen die letzte Szene des Films ab und bereiteten gleichzeitig das nächste Set vor. Spezialeffekte wird der Film auch haben, und so war der grüne Hintergrund, der später am Computer durch jedes erdenkliche Panorama ersetzt werden kann, schnell aufgebaut. Hannah wurde nochmal eifrig nachgeschminkt, bevor sie ernst in die Kamera blicken sollte und dann war auch schon die erste Hälfte des Tages um. Zeit für die Mittagspause!

 

Naja, noch nicht ganz. Da jetzt ein Locationwechsel anstand, musste erst das ganze Equipment abgebaut und ins Auto verladen werden. In Kolonne fuhren wir dann in das wenige Kilometer entfernte Freudenstadt zur Zentrale des THWs. Im großen Gemeinschaftsraum gab es dann super leckeren Fleischkäse mit Brötchen, gesponsert von der Metzgerei Wiedmaier. An dieser Stelle einen herzlichen  Dank für  die Großzügigkeit. Das Essen hat auf jeden Fall bei allen für gute Laune gesorgt und so aßen die einen gierig die leckere Mahlzeit, während die anderen schon wieder fleißig am Auf- und Umbauen waren. Dirk Arnold kümmerte sich zusammen mit Martin Österreicher um das richtige Licht in den Katakomben des großen Gebäudekomplexes. Sie befestigten eine Eisenkette an der Wand und brachten einen großen Bottich mit Wasser herein, in dem später die Folteropfer ertränkt werden sollten. Für den Film natürlich, nicht in echt! Recht lange haben wir uns dabei Zeit gelassen, aber die war auch dringend notwendig, um das Make-Up von Jorina Fink, die das Folteropfer spielt, ihrem Vater Winfried Fink und André Werner, so authentisch und realistisch hinzubekommen. Es hat sich definitiv gelohnt! 

Über zwei Stunden bauten wir auf und richteten den Keller ein, übten Kamerafahrten, verlegten Kabel, montierten Lichter und studierten Kampfchoreografien ein, bis um 15:45 endlich weiter gedreht wurde. Gar nicht mal so einfach war die Einstellung, die Nico und Ansgar geplant hatten. Die Kamera schwebt durch den Raum an Jake vorbei, zeigt die an der Wand festgekettete Jorina, anschließend schwenkt sie auf den Bottich, in dem unsere Regieassistenz Yannik Winzer von den zwei Söldnern André und Winfried so lange unter Wasser getaucht wurde, bis keine Bläschen mehr aufstiegen. Dann richtete sich die Kamera wieder auf und gab den Blick auf Jake frei, der aggressiv auf Jorina an der Wand einschlug, bis diese leblos zu Boden sackte. Das hört sich jetzt natürlich sehr brutal an. Zugegeben, das ist es auch ein bisschen und soll ja auch so sein. Ist ja keine Komödie, was wir hier drehen, sondern ein Thriller. Wir brauchten über fünf Anläufe, bis Nico mit der Performance der Kamera und der Schauspieler vollends zufrieden war. Erleichterung bei Jorina, deren gefesselten Hände langsam taub wurden. Recht fix waren dann noch die restlichen Einstellungen abgedreht, wie Jake selbst unter Wasser getaucht wurde und nach insgesamt neun Stunden harter, aber erfolgreicher Arbeit, war endlich Drehschluss am Set. Abgebaut musste natürlich trotzdem. Aber da ließen wir uns Zeit. Fix und fertig saßen wir dann gegen 20:00 Uhr im Auto zurück auf dem Weg nach Dietersweiler. Zusammen mit Yannik, Ansgar und Nico kauften wir noch etwas zum Grillen und genossen bei einem lauwarmen Bier und leckeren Steak den verdienten Feierabend. Die Hälfte war geschafft! (L)

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Kommentare: 1
  • #1

    Felix Meier (Sonntag, 18 Juni 2017 12:19)

    Sehr interessant zu lesen! Da will man am liebsten selbst dabei gewesen sein! :) Vor allem die Bilder sind sehr interessant anzusehen!