70 Stunden Arbeit pro Minute

Freudenstadt: Tag zwei. Vor kurzem veröffentlichten wir einen Blogeintrag über den ersten Drehtag vom Kurzfilm "Unschuld". Natürlich folgt jetzt auch noch der zweite Tag, ist ja klar! Wir wollen unsere Erlebnisse am Set mit euch teilen und so teilen wir auch die Tatsache, dass wir morgens um 08:00 Uhr mit verschlafenen Augen inmitten eines ruhigen Wäldchens standen und Ansgar schon voller Energie die ersten Anweisungen rief. Das Kameradepartment trug fleißig Technikkram durch den Wald, baute einen 8 Meter langen Dollytrack auf, auf dem die Kamera dann später sanft durch den Wald fahren sollte. Gleichzeitig lud Christine ihre großen Schminkkoffer von ihrem blauen Pickup-Truck und richtete sich eine gemütliche Ecke für die Maske ein. Auch ein dunkelgrüner Land Rover Defender stand mitten auf der Lichtung, aus dem die Söldner Winfried und André gleich in der ersten Szene aussteigen sollten.

Mit knapp einer Stunde Verspätung wurde die erste Szene des Tages gedreht und der Motor des Defenders röhrte auf, während er ins Bild fuhr. Nicht viel später war die Szene dann auch schon abgedreht und die Umbauten begannen von Neuem. Yannik Winzer, der einen Tag zuvor schon unter Wasser getaucht und fast ertränkt wurde, begab sich nun in die Maske, wo ihm ein widerlicher ausgerissener Fingernagel geschminkt wurde, der verblüffend echt aussah. Weil ein gutes Ergebnis auch etwas Zeit brauchte, kam es hier ebenfalls zu einer kleinen Pause, in dem die Leute im Schatten Schutz vor der prallen Sonne suchten und Däumchen drehten. Anna-Lena Bauer und Samira Kurz probierten indes viel zu große Springerstiefel an, die eher wie Clownsschuhe wirkten.  Die Beiden spielten zwei Söldnerinnen, die eine Geiselübergabe mit André und Winfried durchführen sollten. Irgendwann kam Nico Gerspacher dann auf die Idee, diese schon zu üben, während Yanniks  Finger noch präpariert wurde. Wer durfte da herhalten? Lorenzo, der Tonmann. Ihm wurde grob ein Sack über den Kopf gezogen und von Anna-Lena und Samira links und rechts einmal quer über die Lichtung geschleift, wo Winfried und André schon auf ihn warteten, ihn zu Boden stießen und hart auf ihn eintraten. Rings herum hatte sich eine Meute von schaulustigen Crewmitgliedern angesammelt, die das Spektakel gaffend verfolgten.

 

Dann war Yannik endlich bereit. Ihm wurde noch etwas Kunstblut über das Tshirt gekippt und dann wurde gedreht. Besonders schwierig war es in der ganzen Action eine scharfe Nahaufnahme des Fingers zu bekommen. Nach mehreren Versuchen klappte es dann natürlich doch. Yannik berichtete, dass es gar nicht bequem war, mit gefesselten und ausgestreckten Armen so lange auf dem Boden zu liegen. Mitten in der prallen Sonne konnte man beobachten, wie eine Schweißperle nach der anderen von seiner Nase tropfte.

Dann kam die wohlverdiente Mittagspause!

Über den leckeren Tortellinisalat, die Brötchen und Wiener Würstchen freute sich jeder! Total ausgehungert standen alle brav in einer Reihe beim Essen an und gierig und wortlos wurde danach in Ruhe gegessen. Die Hitze setzte uns deutlich zu und so waren alle nur noch in ihr Mittagessen vertieft. Nachdem es also einige Zeit still im Wald wurde, wurde jetzt versetzt. Das heißt, die Location wurde gewechselt. Die zuvor gepackten Autos ließen ihre Motoren aufheulen und kurze Zeit darauf zog sich eine schier endlose Kolonne von über 10 Autos durch die idyllische Landschaft, als wir in einen anderen Teil des Waldes fuhren.

 

Die letzte Szene des Kurzfilms "Unschuld" stand nun unmittelbar bevor. Pirmin und Patrick schnallten die Kamera auf einem Stativ in den Kofferraum des Kameraautos, sodass sie nach hinten rausfilmen konnten. Patrick saß eingequetscht hinter der Kamera und bediente sie, während Pirmin das Auto fuhr. Auf dem Beifahrersitz saß Nico mit dem Kontrollmonitor und gab Anweisungen, wie Pirmin fahren sollte. Hinter dem Kamerawagen fuhr natürlich der Defender mit Marcello, André und Winfried her. Staub wurde vom Weg aufgewirbelt und das Lichtspiel der Blätter zauberte ein fantastisches Bild. Zusammen mit der niedrigen Kameraperspektive könnte diese Szene direkt aus einem Actionfilm aus Hollywood stammen.

Ab und zu kamen Radfahrer vorbei, die wir dann freundlich um etwas Geduld bitten mussten, bis die nächste Szene abgedreht war. Sie erkundigten sich neugierig nach unserem Projekt, ehe sie weiterfuhren. Am Ende des Weges hatte es sich Yannik bequem gemacht um dort die Straße zu sperren. Doch die meiste Zeit verschlief er einfach nur und gönnte sich eine Pause nach der anderen. Blieb ihm ja auch nichts anderes übrig. Die Stimmung am Set beschrieb Marcello als familiär, er hatte ja bereits einige Filmerfahrung und wusste unser Teamwork zu schätzen. Gemütlich drehten wir so einen Take nach dem anderen ab, bis wir uns schließlich mit nur noch kleiner Verspätung für das letzte Gruppenfoto aufstellten. Es machte noch ein letztes Mal Klick, ehe Ansgar die abschließende Rede schwang und sich bei allen bedankte für ihr Engagement, die Geduld, Hilfe und vor allem den Spaß und Ehrgeiz. Gegen 18:00 Uhr trennten sich dann unsere Wege und alle fuhren nach diesem wunderbar anstrengenden Wochenende wieder heim. Rechnet man aus, wie viele Arbeitsstunden in einer Minute fertigem Film stecken, so haben wir allein für den Dreh pro Minute über 70 Stunden investiert mit all den verschiedenen Leuten und ihren Aufgaben. 

 

Das Ergebnis wird erst im August zu sehen sein, denn Ansgar, Nico und Pirmin wollen sich für die Nachbearbeitung ordentlich Zeit nehmen und den Film perfektionieren. Wir halten euch natürlich hier über unseren Blog auf dem Laufenden. (L)

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